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Montafon Totale Trail 2017

Manchmal darf man Dinge nicht zu sehr zerdenken – sonst hätte ich vermutlich nicht an der Startlinie dieses für meine Verhältnisse doch sehr herausfordernden Traillaufevents gestanden. In meinem Fall wurde es zwar eher ein Wandertag – aber ein phantastischer!

Über 3000 Höhenmeter Anstieg? In einem Monat, kein Thema. Aber an einem Tag? Vernünftigerweise hätte ich mir wohl sagen müssen: Außerhalb dessen, was ich mir zutrauen sollte. Aber ich hatte schon letztes Jahr zu sehr mit dem Montafon Totale Trail geliebäugelt und nachdem sich noch ganz spontan Manu von der Laufdimension entschied mitzufahren, stand die Teilnahme plötzlich fest. So machten wir uns also in aller Frühe auf den Weg nach Schruns, wo sich bereits um 8 Uhr morgens eine Horde Bergläufer auf den Weg machen sollte. Das Wetter versprach perfekt zu werden – leicht bewölkt und nicht so heiß wie an den vorherigen Tagen – und tatsächlich wurden wir den ganzen Tag über mit einer absolut traumhaften Sicht verwöhnt!

Schon der Weg hinauf zum Kreuzjoch alleine hatte so viele Höhenmeter wie der Bizautrail insgesamt. Doch ich ließ mich von der Aussicht beflügeln dort immerhin schon mehr als die Hälfte des Gesamtanstiegs geschafft zu haben („dann bloß noch runter ins Tal und noch zwei Mal den Pfänder hoch… das geht dann schon“). Darüberhinaus hatte Manu mir dankenswerterweise Stöcke geliehen, welche bei dieser Strecke unschätzbare Dienste erwiesen! Schon weiter unten am Berg ging der Kurs über sehr schöne schmale Waldwege und bot später traumhafte Ausblicke. Oberhalb der Baumgrenze und insbesondere entlang des Wormser Höhenweges, der stellenweise echten Klettersteigcharakter hatte, kam man aus dem Staunen und Schauen kaum noch heraus. Ich hielt teilweise alle paar Minuten an um zu fotografieren – und die Auswahl der Fotos für diesen Bericht fiel mir extrem schwer (ja, ich habe viel aussortiert, auch wenn man es nicht glauben mag). Auch nach dem Gipfel rissen die landschaftlichen Highlights nicht ab – wunderbar.

Irgendwann begann trotzdem unweigerlich der Weg zurück ins Tal. Zu diesem Zeitpunkt lag ich bereits deutlich hinter meinen gefühlt großzügigen Zeitschätzungen, was mich allerdings nicht weiter störte, da ich dafür einfach den Weg vollends genossen hatte. Und auch dieser Downhill war ein absoluter Traum. Allerdings machten sich bei mir zunehmend Knie und einfach die Muskeln bemerkbar. 1300 Höhenmeter wollen erstmal am Stück vernichtet werden – irgendwann sehnte ich mich nur nach einem flachen Stück Weg um einfach kurz normal stehen zu können. Der Weg durch Sankt Gallenkirch auf die andere Seite war dann auch für meine Moral eine ziemliche Prüfung. Nach all den herrlichen Momenten in der Höhe hier noch eine Schleife auf Asphalt zu laufen um den Fluss überqueren zu können fiel mir tatsächlich nicht ganz leicht. Auch wenn es eigentlich nur etwa ein Kilometer war, fühlte es sich aufgrund meiner fortgeschrittenen Erschöpfung ewig an. Ich wollte einfach endlich an der Verpflegungsstelle vor dem großen Finale ankommen. Auch wenn mir schon klar war, dass ich hier deutlich im hinteren Teil des Feldes unterwegs war, besserte es trotzdem nicht meine Laune, als ich aufschnappte, dass hier nur noch 12 Läufer überhaupt erwartet wurden. So machte ich mich auf den Weg noch einmal von ganz unten auf 2000m hochzukraxeln.

Gerade der erste Teil bis zum letzten Verpflegungsposten unserer Strecke war wirklich hart. Der Talnähe geschuldet gab es keine große Ablenkung durch schöne Rundsicht oder felsige, verblockte Wege. Ich stapfte also Schritt für Schritt aufwärts – irgendwann würde ich so jedenfalls ankommen. Die finalen 3,5km führten dann wieder mehr außerhalb vom Wald auf einem wunderbaren Höhenweg, auf dem ich dann kurze Abschnitte sogar wieder laufen konnte. Hier wurde ich tatsächlich noch einmal voll für die Plackerei im Tal entschädigt. So kam ich gut gelaunt im Ziel an und konnte in der angenehmen, entspannten Atmosphäre direkt das Finish der Siegerin des Ultra Laufes bestaunen, die unmittelbar nach mir ins Ziel kam (unglaublich!). Auf der Rückfahrt realisierten Manu und ich dann doch fast überrascht, was wir offenbar tatsächlich alles zu Fuß zurückgelegt hatten an diesem Tag – immerhin waren wir mit Bergbahn und Bus jeweils fast eine halbe Stunde unterwegs (und der Bus fuhr nicht über das Kreuzjoch…). Wir waren uns jedenfalls einig, dass dies für uns beide die schönste Strecke war, die wir bis dato bei einem Trail Event absolviert hatten. Während ich unmittelbar nach dem Lauf doch ein wenig enttäuscht über meine allzu verheerende Platzierung war, weicht inzwischen die Enttäuschung immer mehr der frohen Erkenntnis, dass ich hier wirklich etwas bewältigt habe, was noch vor nicht allzu langer Zeit völlig undenkbar gewesen wäre – und das dies nun tatsächlich auch eine Klasse von „Projekten“ in greifbare Nähe rückt, von denen ich bisher eher geträumt habe. Resümierend kann ich nur sagen: Spitzen Veranstaltung – Spitzen Tag! Ganz klare Empfehlung!

 

Den Originalbeitrag und noch mehr Fotos gibt's auf Jakobs Blog Weg-Renner. Zum Artikel.



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